Das war unser Klimafrühling 2026 beim DAV Memmingen

Beim diesjährigen Memminger Klimafrühling setzte der Deutsche Alpenverein Memmingen mit seinem Klimatag wieder einmal ein starkes Zeichen für Nachhaltigkeit, Gesundheit und verantwortungsbewussten Bergsport. Mit Video!

HIER findet ihr das Video zum Klimafrühling 2026 beim DAV Memmingen

 

Klima Puzzle beim DAV Memmingen: Puzzeln fürs „Big Picture“

Am Samstag, den 28. März 2026, wurde es im Gymnastikraum des DAV Memmingen kreativ, nachdenklich und inspirierend: Beim Klima Puzzle Workshop trafen sich 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedenster Altersklassen, um gemeinsam die komplexen Zusammenhänge der Klimakrise zu entdecken. Das Klima Puzzle ist ein wissenschaftsbasierter, interaktiver und kollaborativer Workshop, der Klimawissen auf anschauliche Weise vermittelt. Viele Menschen wissen bereits einiges über den Klimawandel – doch die vielfältigen Zusammenhänge zwischen Ursachen, Auswirkungen und Handlungsmöglichkeiten sind oft schwer zu überblicken. Genau hier setzt das Klima Puzzle an: Durch gemeinsames Diskutieren, Sortieren und Verbinden von Karten entsteht Schritt für Schritt das große „Big Picture“ der Klimakrise.
Auch beim Workshop in Memmingen zeigte sich schnell, wie gut dieses Konzept funktioniert. Die Teilnehmenden arbeiteten in kleinen Gruppen zusammen, tauschten ihr Wissen aus und setzten die einzelnen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammen. Dabei wurde nicht nur deutlich, wie komplex das Klimasystem ist, sondern auch, welche Rolle menschliches Handeln dabei spielt.
Besonders geschätzt wurde die offene und kreative Atmosphäre des Workshops. Das Klima Puzzle schafft es, Klimabildung niederschwellig zu vermitteln und gleichzeitig Raum für Austausch, Fragen und persönliche Perspektiven zu bieten. Viele Teilnehmende berichteten, dass sie durch den Workshop neue Zusammenhänge erkannt haben und motiviert sind, sich künftig noch stärker mit Klimaschutz und nachhaltigem Handeln auseinanderzusetzen.
Weltweit haben bereits über zwei Millionen Menschen am Klima Puzzle teilgenommen – und auch in Memmingen hat das gemeinsame Puzzeln sichtlich begeistert.

Einige der Teilnehmenden können sich sogar vorstellen, selbst einmal einen solchen Workshop zu moderieren und das Format weiterzugeben. Der gelungene Vormittag zeigte: Gemeinsam verstehen, diskutieren und Lösungen denken – genau darin liegt die Stärke des Klima Puzzles.

Vielen Dank unseren „Puzzle“-Leitern Georg und Martin!

 

Vortrag: Klima – Ernährung – Biodiversität

Im Rahmen des Klimafrühlings Memmingen hielt German Weber beim DAV Memmingen einen praxisnahen Vortrag zum Thema „Klima – Ernährung – Biodiversität“. German Weber ist Biologe und Vorstand der Stiftung Kulturlandschaft Günztal sowie Biologie- und Chemielehrer am Bernhard-Strigel-Gymnasium in Memmingen. Zudem ist er Träger der Bayerischen Staatsmedaille für besondere Verdienste um die Umwelt. Er erläuterte Zusammenhänge und gab Denkanstöße zum eigenen Ernährungsverhalten. „Wir müssen Biodiversität auf allen Ebenen fördern, weil alle Lebewesen, egal ob Bakterium, Pilz, Pflanze oder Tier ein Recht auf ein lebenswertes Leben haben. Ich möchte allen davon erzählen, die es hören wollen (oder müssen).“

Zu Beginn stellte Weber die Bedeutung verschiedener Ökosysteme für den Klimaschutz heraus. Während Wälder und Moore große Mengen Kohlenstoff speichern können, kommt auch naturnah bewirtschaftetem Grünland eine wichtige Rolle zu. Entscheidend sei jedoch die Nutzung: Intensiv bewirtschaftete Flächen verlieren an Speicherfähigkeit und Biodiversität, während extensive Weiden stabile Kohlenstoffsenken und artenreiche Lebensräume darstellen. Besonders eindrücklich wurde sein Vortrag dort, wo er das Große im Kleinen sichtbar machte – etwa am Beispiel eines Kuhfladens. Was unscheinbar wirkt, ist in Wahrheit ein zentraler Baustein im Ökosystem: Der Dung von Rindern zieht zahlreiche Insekten an, die wiederum Nahrungsgrundlage für Vögel wie Stare sind. Genau dieser Kreislauf gerät jedoch zunehmend aus dem Gleichgewicht. Durch Stallhaltung sowie den verstärkten Anbau von Mais und Raps fehlt es vielerorts an Weidetieren und damit an natürlichen Lebensräumen. Parallel dazu ist die Biomasse der Fluginsekten seit den 1990er-Jahren um rund 80 Prozent zurückgegangen – mit gravierenden Folgen für ganze Nahrungsketten.

Weber ordnete diese Entwicklung in einen größeren ökologischen Kontext ein: Früher prägten große Pflanzenfresser wie Auerochsen, Wisente oder Wildpferde als „Landschaftsarchitekten“ offene Lebensräume. Ihr Verschwinden führt zur Verwaldung vieler Flächen, wodurch lichtliebende Arten – insbesondere Insekten – zurückgedrängt werden. Weltweit sind heute rund 60 Prozent dieser großen Pflanzenfresser bedroht, was die Stabilität ganzer Ökosysteme gefährdet. Ein zentraler Punkt seines Vortrags war die klare Differenzierung: Nicht die Kuh ist das Problem, sondern ihre Haltung. Naturnahe Weidehaltung, wie sie Weber unter anderem im Günztal fördert, kann aktiv zur Biodiversität beitragen. Dort wird jedoch deutlich, wie stark sich die Landwirtschaft verändert hat: Intensive Nutzung mit häufigen Mahden, hoher Düngung und strukturarmen Flächen hat zu einem massiven Artenrückgang geführt. Projekte wie „Insektenfreundliches Günztal“, unterstützt vom Bundesamt für Naturschutz, setzen hier gezielt an – etwa durch Mikrohabitate, Hecken und extensivere Bewirtschaftungsformen. Auch die Wahl der Tiere spielt eine Rolle: Traditionelle Rassen wie das Allgäuer Original Braunvieh sind an diese Form der Weidehaltung gut angepasst, wurden jedoch lange zugunsten leistungsstärkerer Hochleistungsrassen verdrängt.

Die zentrale Botschaft des Abends: Klimaschutz und Biodiversität lassen sich nicht isoliert betrachten. Eine naturnahe Landwirtschaft – mit Weidetieren, die Teil des Ökosystems sind – kann beides verbinden. Voraussetzung ist ein Umdenken: weg von reiner Effizienz, hin zu einer Bewirtschaftung, die natürliche Kreisläufe wieder zulässt.

Vielen Dank für die spannenden Einblicke, German Weber!

 

Großer Klimatag beim DAV Memmingen

Unter dem Motto „Keep Cool – Gesund am Berg in heißen Zeiten“ kamen am Sonntag, 19. April 2026, zahlreiche Besucherinnen und Besucher ins DAV Boulder- und Alpinzentrum, um sich zu informieren, auszutauschen und selbst aktiv zu werden.

Der Klimatag bot ein vielseitiges Programm für die ganze Familie. In spannenden Vorträgen beleuchteten Expertinnen und Experten aktuelle Themen rund um Nachhaltigkeit und Umwelt: Karlheinz Müller sprach über baubiologische Ansätze und nachhaltiges Leben. Stephanie Schwehr gab  praktische Einblicke in die biologische Bekämpfung von Schädlingen.

Auch die Mitmachangebote stießen auf großes Interesse: Kinder konnten sich beim Bouldern und Klettern ausprobieren, die DAV-Familiengruppe lud zum kreativen Basteln ein und bei klimafreundlichen Snacks wurde nachhaltige und gesunde Ernährung erlebbar gemacht. Besonders gefragt waren zudem die praxisnahen Einblicke. Der DAV Memmingen zeigte sein nachhaltiges Engagement, die Bilanzierung der CO2-Emissionen des Vereins und gab wertvolle Tipps und Anreize. Die Bergwacht Memmingen informierte über Erste Hilfe bei Hitzeproblemen am Berg. Hier wurde mit Wiese oder Sand gekühlt, mithilfe von zwei Rettungsdecken behelfsmäßig "evakuiert" und an Puppen reanimiert.

Das Upcycling von ausgedienten (Berg-) Klamotten von "Jeans Revival" aus Boos zeigte eindrucksvoll: Nicht verschwenden, wieder verwenden! Vor Ort genäht und aus einer einzigen Funktionsjacke eine ganze Reihe nützlicher Dinge kreiert: Ein Chalkbag, eine Outdoorumhängetasche, ein Kulturbeutel, ein Schlüsselanhänger mit Reflektor, ein Utensilo, zwei Pulswärmer und ein kleiner Geldbeutel fürs Wandern.

Ein beeindruckender Abschluss gelang am Abend mit der Filmvorführung „Requiem in Weiß – Wenn die Gletscher verschwinden“. Der Film verdeutlichte eindringlich die dramatischen Folgen des Klimawandels in den Alpen und regte allesamt zum Nachdenken an.

Der Klimatag zeigte auch in diesem Jahr einmal mehr, wie eng Klimaschutz, Gesundheit und Bergsport miteinander verbunden sind. Ziel des DAV ist es, Wissen zu vermitteln, Menschen zusammenzubringen und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen – ein Ansatz, der beim Publikum auf große Resonanz stieß.

Ein herzlicher Dank gilt den zahlreichen Helferinnen und Helfern, der Bergwacht Memmingen, Jeans Revival und der Tempeh Manufaktur.